Archive for the ‘Verkehrsgewerkschaft’ category

„Schlimmer als die Wahl in der früheren DDR“

30. Mai 2010

Dass es nicht einfach sein wird, aus zwei Gewerkschaften eine zu machen, ist klar. Während die oberste Führungsspitze immer wieder betont, gleichberechtigt und auf Augenhöhe handeln zu wollen, sieht die Basis das manchmal ganz anders. Da wollen persönliche Eitelkeiten befriedigt werden; manchmal geht es wohl auch nur darum, die noch vorhandene Macht demonstrieren zu wollen.

Wo ginge das besser als bei den Betriebsratswahlen? Einige Kollegen scheinen noch nicht ganz verstanden zu haben, dass die viel beschworene Zusammenarbeit nicht mit der Einreichung einer gemeinsamen Liste endet. Auch im Ergebnis wollen sich alle Beteiligten wiederfinden. In Köln ist das jetzt gründlich in die Hose gegangen, wie die nachfolgende Mail zeigt, die an Karwudtke geschrieben wurde – und die selbstverständlich veröffentlicht wird:

„Die Betriebsratswahl bei DB Netz in Köln ist doch schlimmer als die Wahl in der früheren DDR. Nicht die Mitglieder einer Gewerkschaft (hier GDBA)sondern ein einzelner Kollege des bisherigen Betriebsrates bestimmt ohne Rücksprache mit den Ortsvorsitzenden einen Kandidaten seines Wohles.

Leute die sonst das ganze Jahr die Arbeit leisten in den Ortsgruppen werden gar nicht berücksichtigt, sie könnten ja eine eigene Meinung haben. Nach fast 34-jähriger Zugehörigkeit bei der GDBA und dadurch vielen dienstliche Nachteile durch die Funktionäre der Transnet, habe ich mit schweren Herzen meine Mitgliedschaft in der GDBA gekündigt.

Vielen Dank dem Totengräber der GDBA Herrn Hommel.“

Ich hoffe, dass das ein Einzelfall ist, der sich noch geraderücken lässt.

Nachtrag: Scheinbar doch kein Einzelfall, wie eine weitere Zuschrift zeigt, die unter „Leserkommentare: Reaktionen auf Karwudtke“ veröffentlich ist (rechte Spalte, ganz unten). Stichwort: „Nur Sieger bei den Betriebsratswahlen“. Oder diesem Link folgen.

Diesen Beitrag kommentieren? E-Mail an: karwudtke@gdba.de

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Angst vor der neuen Verkehrsgewerkschaft?

19. Mai 2010

Na, da scheint aber einer fürchterlich Angst vor wegweisenden Entwicklungen innerhalb der Gewerkschaftsbewegung zu haben: „Bitte meldet jegliches Auftreten von Funktionären von TRANSNET und/oder GDBA in unserem Organisationsbereich mit den dazugehörigen Unterlagen an unseren Kollegen Stefan Heimlich“, schreibt der Bundesfachbereichsleiter Erhart Ott an die lieben Kolleginnen und Kollegen der ver.di.

Dass der unmittelbar betroffene Fachbereich der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft die Gründung einer neuen Verkehrsgewerkschaft innerhalb des DGB nicht ohne Störfeuer hinnehmen würde, war – entgegen aller Absprachen und Zusagen – ja zu erwarten. Trotzdem kann ich darüber nur den Kopf schütteln. Denn der Anspruch, den der Bundesfachbereichsleiter von ver.di da formuliert, ist schon reichlich weltfremd.

Dass GDBA und TRANSNET im DGB eine neue Gewerkschaft gründen wollen, wird von ver.di begrüßt. Ist ja logisch. Schließlich gibt es so einen Konkurrenten, nämlich die GDBA, weniger. Damit aber nicht genug. Der zuständige Fachbereichsleiter meint, auch die Aufgabenbereiche festlegen zu können, für die die neue Verkehrsgewerkschaft künftig zuständig sein darf. Und das ist nach Vorstellung von Erhard Ott allein der klassische Eisenbahnbereich – mehr nicht.

Nun gut, träumen darf man ja mal. Aber realistisch ist das nicht. Der ver.di-Kollege scheint noch nicht verstanden zu haben, dass zum Jahresende eine neue „Verkehrsgewerkschaft“ entstehen soll, keine neue „Eisenbahngewerkschaft“. Und diese „neue Verkehrsgewerkschaft“ wird natürlich mehr als nur Eisenbahner organisieren. Schließlich tun GDBA und TRANSNET das heute auch schon erfolgreich.

Und künftig wollen und werden sie dies gemeinsam noch viel erfolgreicher tun – ohne damit unmittelbar in Konkurrenz zu anderen Gewerkschaften zu treten. Das ist der Ansatz.

Im Verkehrsbereich sind derzeit lediglich 20 Prozent aller Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert. Das heißt im Umkehrschluss: Gut 1,3 Millionen Kolleginnen und Kollegen sind derzeit ohne gewerkschaftliche Vertretung.

Die neue Verkehrsgewerkschaft sollte – und muss – gemeinsam mit ver.di Strategien entwickeln, wie möglichst viele jener Arbeitnehmer künftig überhaupt Mitglied einer Gewerkschaft werden könnten. Da liegen noch soviel Potentiale brach, dass man sich nun wirklich nicht darüber streiten muss, wer für bereits gewerkschaftlich organisierte Kolleginnen und Kollegen zuständig sein darf.

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