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Realistische Forderungen

17. März 2010

Mit einem ganzen Paket an Forderungen gehen die Verkehrsgewerkschaft GDBA und die TRANSNET in die Tarifrunde 2010. Das finde ich gut. Es gibt so viele Baustellen bei der Bahn, da ist es mit einem „einfach nur mehr Geld“ sicher nicht getan.

Klar steht die Forderung nach einer realen Einkommenserhöhung im Vordergrund. Das sollte auch so sein. Darüber hinaus wollen GDBA und TRANSNET aber auch eine Erhöhung der Zulagen, insbesondere für die Beschäftigten im Schicht- und Wechseldienst erreichen. Eine wichtige Forderung, wie ich finde, haben in diesem Bereich die Belastungen durch ungünstigere Schichtlagen doch deutlich zugenommen.

Auch das Thema Arbeitszeit wird in der Tarifrunde 2010 eine große Rolle spielen. Da gibt es noch ein paar Stellschrauben, an denen sich für die Mitarbeiter noch was verbessern lässt.

Insgesamt summiert sich der „Wert der Forderungen“ von GDBA und TRANSNET auf 6 Prozent. Nicht zu viel und nicht zu wenig, wie ich finde, zumal bei den Basisdialogen, die zuvor abgehalten wurden, die Kolleginnen und Kollegen wohl nicht so sehr Wert auf hohe Lohnzuwächse sondern eher auf Verbesserungen im Detail gelegt haben.

Einfließen in die Tarifrunde 2010 sollen die Verhandlungen über den so genannten Beschäftigungssicherungstarifvertrag (BeSiTV). Der läuft Ende 2010 aus und wirkt, sofern es keine neue Vereinbarung gibt, noch ein Jahr nach.

Auch hierüber ist in den Basisdialogen diskutiert worden – mit unterschiedlichen Ergebnissen: Ein Teil der Kolleginnen und Kollegen, die sich in ihrem Tätigkeitsbereich vor Arbeitslosigkeit nicht fürchten müssen, würde den BeSiTV gern abgeschafft wissen, Anderen wiederum ist – aus nachvollziehbaren Gründen – an einer Verlängerung sehr gelegen.

GDBA und TRANSNET gehen hier einen, wie ich finde, sehr pragmatischen und für die Beschäftigten sinnvollen Weg. So hat die Verbandstarifkommission beschlossen, den BeSiTV in seiner jetzigen Form auslaufen zu lassen. Vernünftig, denn diese, im Jahr 2005 abgeschlossene Vereinbarung, hatte zum Ziel, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die seinerzeit von Strukturveränderungen im Konzern betroffen waren, vor Arbeitslosigkeit zu schützen. Und das in einer Zeit, in der die DB AG tiefrote Zahlen schrieb.

Heute gibt es ganz andere Probleme: Azubis brauchen nach Abschluss der Ausbildung feste Arbeitsplätze, ältere Kollegen eine Perspektive, wie sie ihren Arbeitsalltag auch künftig möglichst beschwerdefrei bewältigen können. Und auch für Mitarbeiter mit „Mobilitätseinschränkungen“ – wie es so schön heißt, muss mehr getan werden.

All das wollen GDBA und TRANSNET in einem neuen Tarifvertrag festschreiben. Über den soll schon jetzt verhandelt werden, ein Abschluss muss aber nicht zwingend mit der Entgeltrunde 2010 erfolgen.

In der Konsequenz bedeutet dies, dass die Kolleginnen und Kollegen nach Auslaufen des BeSiTV zunächst einmal ihre dafür erbrachten „Eigenleistungen“ zurückbekommen: eine Stunde Arbeitszeit, einen Tag Urlaub und vor allem Geld – alles zusammen macht ein Gesamtvolumen von 5,5 Prozent aus.

Doch auch für den neuen, auf den BeSiTV folgenden Tarifvertrag werden die Kolleginnen und Kollegen wohl was einbringen müssen. Ich bin gespannt was der ihnen – mit seinen zahlreichen sozialen Komponenten –Wert sein wird. Diese Diskussion wird sicher spannend.

Spannend ist auch die Frage, ob es GDBA und TRANSNET gelingt, im Rahmen der Tarifrunde 2010 einen Branchentarifvertrag durchzusetzen. Lohndumping im Schienenpersonennahverkehr dauerhaft zu verhindern ist dabei das erklärte Ziel.

So gesehen haben sich die Verkehrsgewerkschaft GDBA und die TRANSNET ordentlich was vorgenommen. Macht das Beste draus, die Kolleginnen und Kollegen haben es verdient.

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