Archive for the ‘GDL’ category

11 Freunde müsst ihr sein!

15. Juni 2010

Also, ich gebe ja gerne zu, dass ich unsere GDBA-Zeitung meistens nicht von A bis Z lese. Man sucht sich halt so raus, was einen interessiert und selbst betrifft. Und nachdem uns der Beamtenbund seine Liebe entzogen hat, bin ich außerdem nicht mehr ganz so begeistert von der Berichterstattung des dbb im hinteren Teil des GDBA-Magazins.

Allerdings hat mir die Juni-Ausgabe fast die Schlappen von den Füßen gerissen. Mehr zufällig schlage ich daheim die Seite 44 auf und finde einen Artikel über mögliche, aber wichtige Änderungen des deutschen Tarifrechts. Nämlich das Ende der Tarifeinheit, das vom Bundesarbeitsgericht eingeläutet wurde.

Echt, man lernt nie aus. Ich bin ja nicht so sehr der Tariffutzi. Aber eins weiß ich: Wenn das kommt, haben wir bald in den Betrieben und Unternehmen das Tarifchaos. Jede Gewerkschaft kann dann eigene Tarifverträge für ihre jeweiligen Mitglieder durchboxen. Gleichen Lohn für gleiche Arbeit? Das kann dann der Vergangenheit angehören.

Natürlich würde jeder bei einer Gewerkschaft, die weniger rausholt, sofort austreten. Logisch. Aber weiß man das immer, was im Einzelnen vereinbart wurde? Und welcher Tarifvertrag auf Dauer wirklich der bessere ist?

Wirklich – ich glaube, wenn das kommt, ist es mit der Solidarität in unserem Lande endgültig aus. Ich war ja schon mächtig enttäuscht von den GDL-Kollegen, als die sich aus der Eisenbahnerfamilie zurückgezogen haben.

Klaro haben die eine Streikmächtigkeit, die sich sehen lassen kann. Das bringt die Tätigkeit so mit sich. Und die Jungs und Mädels glauben, auch den einen oder anderen Taler mehr als bei den nicht so streikmächtigen Gruppen rauspressen zu können. Aber wenn das jeder so sehen würde, wäre bald Schluss mit der deutschen Solidargemeinschaft, die schon so vieles Schlimmes überstanden hat.

Bestes Beispiel sind die Krankenkassen. Wer nur aufs Geld guckt, geht in eine Krankenkasse, die nur wenige chronisch Kranke als Mitglieder hat. Ist dann billiger. Zumindest für mich. Aber vielleicht brauche ich selber mal über nen langen Zeitraum eine teure Behandlung. Was ist dann? Ja, wenn jeder so denken würde wie die Spartengewerkschaften GDL, Cockpit & Co., wären wir bald die BundesEGOISTENrepublik Deutschland. Unsere Berliner Angie geht mit ihrem Sparpaket ja schon in diese Richtung.

11 Freunde müsst ihr sein, heißt es beim Fußball. Unsere Jungs haben beim ersten Spiel in Durban gezeigt, dass man so viel schöner und erfolgreicher den Ball über das Spielfeld jagen kann. Hoffentlich bleibt es dabei für die nächsten Spiele. Das muss aber auch für uns als Gemeinschaft, ob nun auf Arbeit oder als ganzes Land gelten.

Und so stand´s jetzt auch auf den dbb-Seiten im GDBA magazin. Frank Stöhr von der dbb-Tarifunion hat mir aus der Seele gesprochen. Er wird mit dem Satz zitiert: „Im Kern darf aber der Solidaritätsgedanke nicht angegangen werden.“ Und weiter: „Ziel kann es nur sein, mit starker und geeinter Stimme gegenüber dem Arbeitgeber die berechtigten Interessen einzufordern und auch durchzusetzen.“

Ich stelle mir jetzt vor, GDBA, TRANSNET, GDL und ver.di würden mit starker und geeinter Stimme den Branchentarifvertrag fordern. Das Ding wäre in wenigen Tagen unter Dach und Fach. Und damit Dumping im Nahverkehr auf Kosten der Kolleginnen und Kollegen endlich Schnee von gestern.

Lieber Frank vom dbb, ich finde toll, was Du da forderst. Aber die GDL sitzt doch in Deinem Vorstand. Sprecht Ihr nicht miteinander? Mach deren Chef, dem Bundeslokführer Claus Weselsky, doch endlich mal klar, dass das richtiger Mist ist mit dem Sonderweg der Lokführer und anderer einzelner Berufsgruppen. Wir gehören zusammen und müssen gemeinsam kämpfen.

11 Freunde müsst ihr sein. Tja, Fußball ist wohl doch nur eine Nebensache, wenn auch die schönste!

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Da staunt sogar das Murmeltier ….

24. April 2010

Ich habe nun wirklich keine Lust, mich hier ständig mit dem Unsinn, den die eine oder andere Gewerkschaft verzapft, auseinanderzusetzen. Allerdings ist die GDL seit der Aufsichtsratsentscheidung zu Arriva ein dankbares Thema und so kann ich mir eine kurze Bemerkung doch nicht verkneifen.

Denn: Die „Murmeltiermeldung“ vom Freitag, veröffentlicht auf deren Homepage, ist der Knaller! Ich bin beeindruckt, mit welcher Klarheit und Schärfe hier der Vorwurf der Lüge zurückgewiesen wird – um es mal bewusst ironisch zu formulieren.

Eigentlich hätten doch drei Sätze genügt: Die von GDBA und TRANSNET erhobenen Vorwürfe sind falsch. Die GDL hat nicht gelogen. Wir haben nachweislich gegen den Kauf von Arriva gestimmt.

Eine solche Richtigstellung aber sucht man vergebens. Spätestens jetzt weiß jeder auch warum: Weil der von GDBA und TRANSNET erhobene Vorwurf wohl berechtigt ist.

Und weil man eigene Fehler nicht eingestehen vermag, versuchen die Verantwortlichen abzulenken und stellen die GDL wieder mal als armes Opfer fieser Intrigenspiele der gewerkschaftlichen Konkurrenz dar. Auch das hat was vom Murmeltiertag – immer die gleiche Leier. Nur: die glaubt den Lokführern jetzt keiner mehr.

Wer stark, erfolgreich und unbestechlich sein will, muss zunächst einmal ehrlich sein. Am Mut zur Ehrlichkeit aber scheint es der Lokführergewerkschaft zu mangeln. Das sollte zu denken geben – nicht nur vor einer Wahl.

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„Größte Deutsche Lügenbolde“?

23. April 2010

Die Führung der GDL als „Größte Deutsche Lügenbolde“ zu bezeichnen, wäre der zweifelhaften Ehre vielleicht doch ein bisschen zu viel – auch wenn sich das aus den Anfangsbuchstaben prima ableiten ließe. Gleichwohl muss an dieser Stelle mal deutlich gesagt werden: Die Führung der Lokführergewerkschaft lügt sich ganz offensichtlich ihre eigene Wahrheit zusammen, so wie es den Jungs gerade in den Kram zu passen scheint.

Da behauptet der oberste Lokomotivführer Klaus Weselsky frech, die GDL habe im Aufsichtsrat der DB AG gegen die Übernahme von Arriva gestimmt. Das ist nachweislich falsch. Der GDL-Vertreter hat sich – wie man hört – in den entscheidenden Fragen der Stimme enthalten! Und das ist doch nur feige!

Kann es sein, dass GDL-Chef Klaus Weselsky dies vielleicht noch gar nicht weiß? Dass der ranghöchste Gewerkschaftsvertreter der Lokomotivführer wie selbstverständlich davon ausgeht, dass der GDL-Kollege ja nur gegen eine Übernahme von Arriva gestimmt haben kann, weil GDBA und TRANSNET für die Abgabe eines Angebots gewesen sind? Dieses „Spielchen“ kennen wir ja nur zu genüge.

Dass GDBA, TRANSNET und GDL in entscheidenden, strategischen Fragen einer Meinung sein könnten, wäre zwar schön, scheint aber nach wie vor nicht in das Weltbild einiger Lokomotivführer zu passen.

Schade eigentlich, denn verantwortliche Arbeit im Aufsichtsrat der DB AG hat mit populistischen Forderungen nichts zu tun. Da ist schon ein wenig Weitsicht gefordert.

Und eben auch der Mut, ehrlich zu seinen Entscheidungen zu stehen. Wer anderes tut, dem werden die Wähler bald schon auch in anderen Fragen nicht mehr vertrauen. Hoffentlich!

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Unehrlich oder nur vergesslich?

11. April 2010

Nun wird also alles anders, vor allem aber besser. Denn nun ist die GDL im Konzernaufsichtsrat der DB AG vertreten – „erstmalig“, wie sie uns zu vermitteln versucht.

Und da sie jetzt endlich drin ist, in jenem Gremium, in dem die Lokführergewerkschaft – glaubt man ihren Meldungen – noch nie vertreten war, will sie dort gleich neue Maßstäbe setzen: Das Unternehmen Deutsche Bahn soll künftig „unter Beachtung auch gewerkschaftlicher Ziele“ wachsen, heißt es in einem Interview mit dem GDL-Vertreter Mario Reiß. Das ist ja mal eine ganz neue Aufgabe für den Aufsichtsrat.

Gleichzeitig aber will die GDL Netz und Betrieb trennen. Was das für die Beschäftigten bedeuten würde, denen dann beispielsweise der konzernweite Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stünde, darüber will ich gar nicht spekulieren. Fakt aber wäre, dass Mario Reiß seinen Sitz im Konzernaufsichtsrat verlöre – den Konzernaufsichtsrat gäbe es bei einer Trennung von Netz und Betrieb gar nicht mehr. Offensichtlich sägen die Lokführer an ihren eigenen Stühlen, ohne es zu merken.

Und mit der eigenen Historie gehen sie auch recht eigenwillig um. Versuchen den Anschein zu erwecken, erstmalig“ im Konzernaufsichtsrat vertreten zu sein und verleugnen dabei ihre Vergangenheit. Warum?

Erinnert sich bei der GDL niemand mehr an Peter Conrad, der von 1994 bis 1995 im Aufsichtsrat saß? Oder an Heinz Hermanns, der die Lokführergewerkschaft von 1995 bis 1999 im Aufsichtsrat der Holding vertreten hat? Danach war der Kollege Horst Fischer bis 2005 drin. Seit Gründung der DB AG gab es nur eine Wahlperiode – die von 2005 bis 2010 – in der die GDL nicht im Konzernaufsichtsrat vertreten war.

Sollte die Arbeit dieser Kollegen als Arbeitnehmervertreter im höchsten Kontrollgremium der Bahn so schlecht gewesen sein, dass man jetzt besser den Mantel des Vergessens darüber hüllt? Oder beginnt die Zeitrechnung der Lokführergewerkschaft neuerdings erst mit der Wahl von Claus Weselsky zum Vorsitzenden?

Vertreter der GDL waren in der Vergangenheit stets in allen wichtigen Aufsichtsräten des Konzerns vertreten. Möglich, dass sie dort dadurch aufgefallen sind, dass sie nicht auffielen, und deshalb in Vergessenheit gerieten? Oder ist dieses Verschweigen gar Taktik? Damit niemand merkt, dass so manche Entscheidung, die heute von der Lokführergewerkschaft kritisiert wird, von den eigenen Leuten in den Aufsichtsräten seinerzeit nicht torpediert wurde?

Es ist sicher legitim, Wahlergebnisse, vor allem aber Erfolge so auszulegen, wie es einem passt – aber man muss ehrlich dabei bleiben. Wäre doch schade, wenn sich der Slogan „stark, unbestechlich und erfolgreich“ zu sein, als ebenso unzutreffend erweisen würde, wie der Versuch, den Mitarbeitern bei der Bahn glauben zu machen, als GDL noch nie im Konzernaufsichtsrat vertreten gewesen zu sein.

Die Wahrheit kommt irgendwann immer ans Licht.

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