Archive for the ‘DB AG’ category

Ob Bahnchef Grube da klug beraten war?

25. August 2010

Na, ob Rüdiger Grube sich da einen Gefallen getan hat? Natürlich mag es dem Bahn-Chef geschmeichelt haben, einmal in einem Atemzug mit den ganz großen der Wirtschaft – etwa dem Boss der Deutschen Bank, Josef Ackermann – genannt zu werden. Aber ob es vernünftig war, deren „Energiepolitischen Appell“ zu unterzeichnen; ich wage das zu bezweifeln.

Die Bahn gibt doch vor, ein „grünes Image“ zu haben. Kann man da für Kernenergie und Kohle sein? Ich will hier gar keine Debatte pro oder contra führen, aber allein vom Ansatz passt das doch nicht.

Wieso lässt sich Bahnchef Grube vor den Karren der vier großen Energiekonzerne RWE, E.On, EnBW und Vattenfall spannen und fordert unisono mit diesen den Wegfall der Brennelementesteuer?

Mit dieser Steuer sollen die Gewinne abgeschöpft werden, die die Energiekonzerne erwirtschaften, weil deren bereits abgeschriebenen Kernkraftwerke länger laufen dürfen, als eigentlich vereinbart. Was hat die DB AG davon, wenn die Konzerne Milliarden einsacken, die in die Erforschung erneuerbarer Energien (oder einfach nur in den Bundeshaushalt) fließen könnten?

Die Deutsche Bahn gehört (noch) dem Bund. Klar braucht auch ein Rüdiger Grube deshalb nicht alles gut zu finden, was die Regierung so vor hat. Aber musste er sich gleich in den Kreis jener einreihen, die massiv und in bislang unbekannt deutlicher, ja fast erpresserischer Form ihrer ganz persönlichen Interessen durchsetzen wollen? Sympathien hat  der Bahnchef  damit nicht errungen.

Für die Interessen der Bahn mag er streiten; für die egoistischen Ziele der Stromlobby jedoch nicht. Auch wenn der DB-Konzern Strom für seine Züge braucht. Das ist doch eine ganz andere Baustelle – und bringt, wie wir gesehen haben, auch keine positiven Schlagzeilen für das Unternehmen. Die aber wären endlich mal nötig. Doch dafür muss die Bahn-Führung mehr tun, als einen fragwürdigen Appell zu unterschreiben …

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Zugbegleiter sind nicht die Sündenböcke

12. Juli 2010

Also, da könnte mir doch glatt der Kragen platzen! In den hochmodernen ICEs fallen die Klimaanlagen aus und was passiert? Gegen die Mitarbeiter wird wegen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung ermittelt. Geht´s noch? Damit wir uns richtig verstehen: Nicht gegen Mitarbeiter des Zugherstellers. Nein, gegen Mitarbeiter der DB AG! Das kann doch wohl nicht wahr sein, oder?

Schon im Winter waren die Zugbegleiter diejenigen, die den Ärger der Fahrgäste ausbaden mussten, ohne für die Pannen Verantwortung zu tragen. Da ließen sich Türen wegen Eisbildung nicht schließen, Heizungen fielen aus und aufgrund der längeren Standzeiten in den Wartungshallen gerieten die Fahrpläne durcheinander.

Die Mitarbeiter griffen zu unkonventionellen Mitteln, um der Lage Herr zu werden. Teilweise wurde versucht, mit Schuhabsätzen das Eis im Türbereich zu entfernen, Kolleginnen und Kollegen in der Auskunft und dem Fahrkartenverkauf waren – trotz aufgebrachter Kunden – bemüht, jede nur mögliche Auskunft zu geben. In den Werkstätten wurde geklotzt, wo es nur ging, um die Züge wieder ins Netz zu bringen.

Und nun schafft die Gluthitze Probleme. Dramatische Bilder flimmern über die Fernsehschirme. Ich stelle mal die Frage, wie es wohl den Zugbegleiterinnen und Zugbegleitern in den betroffenen Zügen ergangen ist? 50 Grad Hitze, in jedem Wagen Reisende, die sich lautstark beschweren, keine Möglichkeit Abhilfe zu schaffen, dehydrierte Jugendliche, die zusammenbrechen, eine Schwangere, die in Panik eine Scheibe einschlagen will, um Luft zu kriegen – unglaubliche Szenen müssen sich da abgespielt haben.

Aber an die Mitarbeiter denkt keiner. Die haben getan, was sie konnten, davon bin ich überzeugt – und müssen jetzt in der Zeitung lesen, dass nun wegen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung ermittelt.

Nur GDBA und TRANSNET haben sich vor die Kolleginnen und Kollegen gestellt und fordern von der Bahnführung und der Bahnindustrie, für Fahrzeuge und Betriebsmittel zu sorgen, die den Anforderungen sowohl in heißen Sommern wie auch in kühlen Wintern gerecht werden. Ansonsten werden die Mitarbeiter der Bahnen auch weiterhin zu Sündenböcken der Nation abgestempelt. Und das kann und darf nicht sein.

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Arriva – Was soll das denn schon wieder?

22. April 2010

Als ich vom angeleierten Deal der Deutschen Bahn AG mit Arriva hörte, dachte ich nur: Was soll denn das schon wieder? Selber rumknausern, sparen und kürzen an allen Ecken und Enden, aber in Europa den flotten Max markieren und eben mal so für ein milliardenschweres Unternehmen bieten. Glaubt es mir, Kolleginnen und Kollegen, das wäre bei der DB ne gute Schlagzeile für ein Flugblatt – gerade jetzt im Betriebsratswahlkampf.

Mit nem Pott Kaffee in der Hand kam ich dann aber daheim ins Grübeln. Was würden die Kollegen von der DB eigentlich sagen, wenn ein anderes großes ausländisches Unternehmen das Geschäft mit Arriva in Angriff genommen und damit zum Sturmangriff auf alle Konkurrenten in Deutschland geblasen hätte? Bestimmt so etwas wie: „Ach, bei uns in Deutschland kaufen die sich überall ein, aber selber lassen sie keinen Konkurrenten zu.“ Oder: „O Mann, da entsteht jetzt ein ganz Großer, jetzt wird es langsam eng für die Mitbewerber, wenn der hier mit Bahnen und Bussen so richtig loslegt!“ Tja, der DB-Vorstand hätte dann wahrscheinlich sein Weichei-Image ein für allemal weg.

Ich gebe gern zu: Auf den ersten Blick nervt der geplante Deal mit Arriva. Kaufen, Verkaufen, Börsenkurse, Aktionäre, Hauptversammlungen – mit der guten alten, vor allen Dingen pünktlichen Eisenbahn hat das alles nicht mehr viel zu tun. Aber das reicht heutzutage nicht mehr. Ich persönlich wollte die Globalisierung nicht, aber vertreiben lässt sie sich jetzt auch nicht mehr, höchstens abmildern. Deswegen ist mir ebenso wichtig, dass der Standort Deutschland, wie die Jungs und Mädels in der Tagesschau immer sagen, gestärkt und nicht geschwächt wird. Dazu gehört, dass auch unser Land im Ausland kauft, und nicht nur umgekehrt. Das kostet natürlich. Das Geld allerdings, dass der Staat der Schiene für die Infrastruktur gibt, darf für so einen Firmenkauf nicht verwendet werden, von niemandem! Das beruhigt etwas. Gut, dass der Bund noch seine Hände im Schienenklavier hat!

Wir als Gewerkschafter müssen jetzt verdammt aufpassen, dass sich die Firma Grube & Co. an ihre Zusagen hält – falls die DB am Ende des Verfahrens den Zuschlag bekommt! Mein Brief ans Zweigestirn Hommel und Kirchner liegt daheim schon auf der Kommode. Das heißt: Firmenkäufe dürfen nicht auf dem ohnehin schon krummen Rücken der Belegschaften von DB und Arriva „finanziert“ werden. Und: Der deutsche Markt muss weiterhin, hoffentlich mit mehr Schmackes, beackert werden. Auch möchte ich, dass die Arriva-Töchter, die aus kartellrechtlichen Gründen verkauft werden müssen, nicht irgendwem in den Rachen geschmissen werden. Auch für die dort tätigen Kolleginnen und Kollegen hat der DB-Vorstand als vorübergehender Arbeitgeber ein hohes Maß an Verantwortung!

Aber mir ist klar, dass nicht nur dadurch Arbeitsplätze gesichert werden. Für unsere Aufgaben als Eisenbahnerinnen und Eisenbahner in mittlerweile vielen Unternehmen sind mir starke Unternehmen mit Sitz hier bei uns in Deutschland vom Gefühl her lieber, als irgendwelche Holdings, die zudem noch vielen Hundert oder gar Tausend Einzelaktionären rund um den Globus gehören. Für die zählt nur Cash, egal wodurch und von wem die Taler verdient wurden.

PS: Claus Weselsky bekommt von mir keinen Brief. Da er sowieso immer erst darauf wartet, was GDBA und Transnet sagen, und dann anschließend aus Prinzip das Gegenteil behauptet, kann er ja keine eigene Meinung haben. Mensch Claus! Mach Dir endlich mal Deinen eigenen Kopp!

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Ein freier Tag – nicht nur zum Feiern!

25. März 2010

Nun haben wir ihn also, den von den Gewerkschaften GDBA und TRANSNET geforderten zusätzlichen freien Tag. Gedacht ist er als Dankeschön für den nicht unerheblichen Mehreinsatz der Mitarbeiter im Winter 2009/2010.

Ich hoffe jetzt mal, dass kollektives Feiern da nicht zur Bedingung wird. Denn die Bahn würde diesen freien Tag gern für gemeinsame Aktivitäten in den Betrieben nutzen – einem Betriebsfest zum 175. Geburtstag der Eisenbahn beispielsweise.

Nicht dass ich was dagegen hätte, mich zu einer schönen Feier einladen zu lassen. Aber einen freien Tag gestalte ich normalerweise so, wie ich es will. Oder suche ich da schon wieder in den Krümeln? Sollte ich mich nicht einfach nur darüber freuen, dass sich die Unternehmensspitze überhaupt erkenntlich zeigt?

Dass alle diesen freien Tag bekommen, auch die, die vom „Wintereinsatz“ nicht unbedingt betroffen waren, damit habe ich kein Problem. Das gönne ich den Kolleginnen und Kollegen – auch den in der GDL organisierten Lokführern, die dank der Forderung von GDBA und TRANSNET nun ebenfalls einen zusätzlichen freien Tag bekommen.

Wäre es nicht schön, wenn auch in anderen Belangen alle Eisenbahner gleichermaßen vom Einsatz ihrer Gewerkschaften profitieren würden …

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Absurd: Der Winterdienst als Wette

23. März 2010

Also manchmal, da kannst Du nur noch den Kopf schütteln. Beispielsweise, wenn Dir der Vorsitzende der Geschäftsführung von DB Dienstleistung mit ernster Mine erklärt, wie man bei der Deutschen Bahn den Winter plant. Wobei ich von Planung gar nicht reden würde. Und die Bahn selbst wohl auch nicht. Eigentlich schließe man auf den Winter Wetten ab, erläuterte Geschäftsführer Rolf Kranüchel den staunenden Eisenbahner.

Und das geht so: Die Bahn hat ein Budget, also eine bestimmte Menge Geld, die für den Winterdienst ausgegeben werden darf. Im Sommer setzen sich die Planer zusammen und überlegen, wo es im Winter wie oft und wie häufig schneien wird. In „Großraum Hintertupfingen“ – um ein fiktives Beispiel zu nennen – war das in den vergangenen Jahren im Durchschnitt an zwölf  Tagen der Fall. Dort gibt es vier Bahnhöfe mit insgesamt 16 Bahnsteigen, auf denen der Schnee meist nur fünf Zentimeter hoch lag.

Diese Leistung, vier Bahnhöfe mit insgesamt 16 Bahnsteigen an zwölf Tagen von jeweils fünf Zentimeter Schnee zu räumen, wird ausgeschrieben; der Auftrag an den zumeist günstigsten Subunternehmer vergeben. Und dann beginnt die Wette – wie der Vorsitzende der Geschäftsführung von DB Dienstleistung, Rolf Kranüchel, deutlich macht.

Schneit es im Winter nicht, oder weniger als vermutet, reibt sich der Subunternehmer die Hände. Das vereinbarte Geld bekommt er trotzdem. Die Bahn hat die Wette verloren. Schneit es mehr, könnte die Bahn sich freuen. Denn nun müsste der Subunternehmer fürs gleiche Geld mehr und öfter Schnee räumen. So steht´s im Vertrag. Tut er aber oft nicht. Auch diese Wette verliert die Deutsche Bahn.

Viele Subunternehmer können es sich finanziell gar nicht leisten, mehr Schnee schippen zu lassen, als bezahlt wird. Das geht dann nämlich auf die eigene Rechnung. So mancher macht deshalb gar nichts, andere pleite, einige vergeben die Leistungen verbotenerweise an andere Subunternehmer – nur den Schnee, den macht keiner weg.

Dass dieses Modell keine Zukunft hat, musste auch der Bahnvorstand auf der gut besuchten Fachkonferenz einräumen, zu der GDBA und TRANSNET am Montag nach Fulda geladen hatten. Mehr als 200 Mitarbeiter konnten dort gegenüber den Vorständen der Bahn ordentlich Frust ablassen und deutlich machen, wie die Praxis funktioniert – oder besser gesagt: nicht funktioniert.

Warum nur, frage ich mich? Warum nur werden das Wissen und die Erfahrung der Eisenbahner nicht genutzt? Warum machen die Verantwortlichen keinen Gebrauch von der ungeheuren Kompetenz der Mitarbeiter, die nur darauf wartet, abgerufen zu werden?

Mich macht es traurig und wütend zu gleich, zu sehen, wie hoch bezahlte Manager den Kolleginnen und Kollegen umständlich zu erläutern versuchen, warum irgendwelche akademischen Pläne wieder mal nicht funktioniert haben – statt endlich zu fragen: Wie würdet Ihr es machen? Ihr, die Ihr jeden Tag die Eisenbahn lebt. Wo gibt es Probleme, die wir gemeinsam, schnell und unbürokratisch lösen können? Es sind doch keine Aussätzigen, die sich tagtäglich abrackern, damit die Bahn auch unter widrigen Umständen fährt.

In Fulda, auf der Fachkonferenz, war ein erstes Nachdenken zu spüren. Personalvorstand Ulrich Weber sagte spontan zu, den Dialog mit den Eisenbahnern in diesem Rahmen künftig öfter suchen zu wollen.

Vielleicht wird ja auch Bahnchef Rüdiger Grube mal so deutlich mit den Eisenbahner diskutieren wollen. Der glänzte am Montag durch Abwesenheit, statt sich seinen Mitarbeitern zu stellen.

GDBA und TRANSNET fordern nachhaltige Veränderungen – und einen zusätzlichen freien Tag. Als Ausgleich für die besonderen Strapazen und das große Engagement der Mitarbeiter im Winter 2009/2010.

Der Bahnvorstand kann jetzt eigentlich gar nicht anders, als dieser Forderung nachzugeben. Ich bin gespannt.

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300 Euro extra

15. März 2010

300 Euro extra – das ist doch ein Wort. Obwohl die DB AG nicht verpflichtet ist, in diesem Jahr eine Erfolgsbeteiligung zu zahlen, haben GDBA und TRANSNET dafür gesorgt, dass den Mitarbeitern eine entsprechende Anerkennung zuteil wird.

Haben ja auch genug geschuftet, die Kolleginnen und Kollegen. Trotz Wirtschaftskrise wird die Bahn ein gutes Betriebsergebnis hinlegen. Zu verdanken hat sie dies vor allem ihren engagierten Mitarbeitern. Das haben GDBA und TRANSNET dem Bahnvorstand jetzt deutlich gemacht. Und der hat reagiert. Alles andere wäre auch schäbig gewesen, finde ich.

Gezahlt wird wohl im Mai: 300 Euro an alle, die „Anspruch auf die Erfolgsbeteiligung nach dem MaBeTV“ haben. Anteilig auch an zugewiesene Beamte. Das finde ich klasse.

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