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Nur gemeinsam sind wir stark

26. Oktober 2010

Na, das wurde ja auch Zeit. Endlich kommt Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen um einen einheitlichen Branchentarifvertrag für die Beschäftigten im Regionalverkehr. Seit gut zwei Jahren streiten sich GDBA und Transnet vor allem mit den Privatbahnen darum, welche Löhne hier zu zahlen sind und dass der Wettbewerb um Ausschreibungen und neue Strecken nicht auf den Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden darf.

So manches Privatunternehmen im Regionalverkehr interessiert das alles nicht. Frech wird öffentlich erklärt, dass man auch in Zukunft auf den vermeintlichen Vorteil von Lohndumping nicht verzichten will. Schließlich gewinnt meist der eine Ausschreibung, der am billigsten anbietet.

Ein einheitlicher Branchentarifvertrag soll dieses unwürdige Spiel beenden. Ziel von GDBA und Transnet ist es, zu vereinbaren, dass künftig für gleiche Arbeit der gleiche Lohn gezahlt wird.

Nach den Vorstellungen der Privatbahnen soll dieser jedoch gut 20 Prozent unter dem Niveau des Branchenführers liegen. Ein entsprechender Vorschlag wurde jüngst als „letztes Angebot“ unterbreitet.

GDBA und Transnet reagieren auf diese Frechheit nun mit Warnstreiks. Weil sich am Verhandlungstisch nichts mehr bewegt, sollen die Arbeitgeber jetzt gezwungen werden, ihr Angebot nachzubessern. Erstmals stehen dabei die Mitarbeiter der DB AG und die Mitarbeiter der Privatbahnen gemeinsam einen Arbeitskampf durch, weil sie beide für das gleiche Ziel streiten. Das hat es bisher noch nie gegeben!

Und die GDL? Die streitet für einen „Bundes-Rahmen-Lokführertarifvertrag“, der ebenfalls für ein einheitliches Lohnniveau sorgen soll.

Da frage ich mich doch, warum die drei Gewerkschaften nicht gemeinsam für eine gerechte Bezahlung eintreten? Würden alle drei den Arbeitgebern geschlossen gegenübertreten, wäre ein entsprechender Tarifvertrag schon längst unterschrieben, da bin ich mir ziemlich sicher.

Leider ist genau das Gegenteil der Fall. Und der Irrglauben, sich in dieser Frage von der gewerkschaftlichen Konkurrenz mit eigenen Forderungen abheben zu müssen, treibt derzeit seltsame Blüten.

Da rufen GDBA und Transnet für Dienstag zu bundesweiten Warnstreiks auf. Die intensive Berichterstattung in den Medien setzt die GDL offensichtlich erheblich unter Zugzwang. Und so organisiert auch sie schnell noch einen Arbeitskampf. In München und Augsburg, wo GDBA und Transnet besonders aktiv sind, wollen die Lokführer am Dienstag nun plötzlich den Kommunalen Nahverkehr bestreiken.

Von großer Souveränität zeugt ein solches Verhalten nicht. Deutlich wir nur, dass keiner dem Anderen einen Erfolg gönnt – und sei es auch nur ein medialer. Ich finde das ist albern und macht im Umkehrschluss deutlich, dass es sinnvoller und effektiver wäre, wenn alle drei Bahngewerkschaften endlich zusammenarbeiten müssen, um das bestmögliche für die Mitglieder herauszuholen. Ob wir das noch erleben werden?

Diesen Beitrag kommentieren? E-Mail an: karwudtke@gdba.de

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