Unnötiges Taktieren

Der Warnstreik, am Dienstag, den 26. Oktober,  war offensichtlich ein voller Erfolg. Gut 1700 Eisenbahnerinnen und Eisenbahner sollen  daran beteiligt gewesen sein und haben so  der Forderung nach einem einheitlichen Branchentarifvertrag in beeindruckender Weise Nachdruck verliehen. Erfreulich fand ich vor allem, dass sich viele Beschäftigte von privat geführten Bahnunternehmen an dem befristeten Ausstand beteiligt haben. Denn um die geht es in erster Linie.

Nach meiner Auffassung wäre es jetzt an den Privatbahnen gewesen, sich zu bewegen und zu erklären, dass das angeblich letzte Angebot, das man gemacht hatte, doch noch nicht das letzte war. Doch bis Freitag herrschte Schweigen im Wald.

Dafür gab es, wie ich hörte, eine Einladung ins Bundesverkehrsministerium. Die sechs großen Privatbahnen, die DB AG sowie die drei Gewerkschaften Transnet, GDBA und GDL wurden nach Berlin zum Staatssekretär „einbestellt“. Dort wurde allen Beteiligten wohl deutlich gemacht, dass der Bund kein Interesse an „Lohndumping“ im Nahverkehr habe. Wettbewerb solle sich nicht über Lohnkosten definieren, hieß es. Das sagt mir schon der gesunde Menschenverstand, aber vielleicht musste das Führungskräften der Unternehmen einfach noch mal erklärt werden.

Doch statt nun endlich entsprechend zu handeln, geht jetzt das große Taktieren los. Wirklich hilfreich ist das nicht!

Bislang hatten sich die sechs privaten Bahnunternehmen geweigert, mit Transnet und GDBA über einen Branchentarifvertrag zu verhandeln, wenn auch die DB AG an entsprechenden Gesprächen teilnehmen würde. Nach meiner Einschätzung ist das wenig zielführend, weil am Ende eine Vereinbarung getroffen werden soll, die inhaltsgleich für die gesamte Nahverkehrsbranche gelten soll.

Also haben GDBA und Transnet die sechs privaten Bahnunternehmen und die DB AG nun für Dienstag zu zeitgleichen aber in getrennten Räumen stattfindenden Verhandlungen eingeladen. Irgendwie erinnert das an Kindergarten, oder?

Was aber machen die Privaten? Torpedieren diesen Vorschlag und laden die DB AG sowie die drei Bahngewerkschaften am Freitag zu gemeinsamen Gesprächen ein, in denen ein mögliches Schlichtungsabkommen erörtert werden soll. Offensichtlich  haben Transnet und GDBA dagegen grundsätzlich nichts einzuwenden, denn die Vorbereitung eines solchen Abkommens bedeutet ja noch lange nicht, dass man die Schlichtung auch anrufen wird. Man weiß dann zumindest , wie man verfahren will, sollten die Verhandlungen irgendwann endgültig scheitern.

Alles könnte sich jetzt gut entwickeln …

Doch nun schießt die GDL wieder quer und erklärt, sie habe an einer solchen Vereinbarung keinerlei Interesse, ihre Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite liefen prächtig, man brauche so etwas nicht. Da scheinen mir persönlich die Lokführer die Backen reichlich voll zu nehmen, aber wenn sie nicht wollen …

Und was ist das Ergebnis dieses Theaters?

Bis heute ist nicht klar, ob und wie, wer mit wem, worüber in der nächsten Woche verhandelt – oder auch nicht. Die Frage des Lohndumpings und wie man diesem Einhalt gebietet, wird so nicht beantwortet. Und das ärgert mich maßlos!

Statt zu taktieren sollten alle Beteiligten endlich ernsthaft beginnen, gemeinsam die Probleme der Beschäftigten zu lösen. Denen helfen diese albernen Spielereien nämlich überhaupt nicht weiter.

Kindische Streitereien um Zuständigkeiten und Formalien nützen niemandem – letztlich auch nicht den derzeit noch handelnden Personen. Und das wissen die auch. Nur entsprechende handeln tun sie nicht. Schade eigentlich, denn die Leidtragenden sind die, für die sie sich eigentlich einsetzen sollten: die Beschäftigten im Nahverkehr.

Diesen Beitrag kommentieren? E-Mail an: karwudtke@gdba.de

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