11 Freunde müsst ihr sein!

Also, ich gebe ja gerne zu, dass ich unsere GDBA-Zeitung meistens nicht von A bis Z lese. Man sucht sich halt so raus, was einen interessiert und selbst betrifft. Und nachdem uns der Beamtenbund seine Liebe entzogen hat, bin ich außerdem nicht mehr ganz so begeistert von der Berichterstattung des dbb im hinteren Teil des GDBA-Magazins.

Allerdings hat mir die Juni-Ausgabe fast die Schlappen von den Füßen gerissen. Mehr zufällig schlage ich daheim die Seite 44 auf und finde einen Artikel über mögliche, aber wichtige Änderungen des deutschen Tarifrechts. Nämlich das Ende der Tarifeinheit, das vom Bundesarbeitsgericht eingeläutet wurde.

Echt, man lernt nie aus. Ich bin ja nicht so sehr der Tariffutzi. Aber eins weiß ich: Wenn das kommt, haben wir bald in den Betrieben und Unternehmen das Tarifchaos. Jede Gewerkschaft kann dann eigene Tarifverträge für ihre jeweiligen Mitglieder durchboxen. Gleichen Lohn für gleiche Arbeit? Das kann dann der Vergangenheit angehören.

Natürlich würde jeder bei einer Gewerkschaft, die weniger rausholt, sofort austreten. Logisch. Aber weiß man das immer, was im Einzelnen vereinbart wurde? Und welcher Tarifvertrag auf Dauer wirklich der bessere ist?

Wirklich – ich glaube, wenn das kommt, ist es mit der Solidarität in unserem Lande endgültig aus. Ich war ja schon mächtig enttäuscht von den GDL-Kollegen, als die sich aus der Eisenbahnerfamilie zurückgezogen haben.

Klaro haben die eine Streikmächtigkeit, die sich sehen lassen kann. Das bringt die Tätigkeit so mit sich. Und die Jungs und Mädels glauben, auch den einen oder anderen Taler mehr als bei den nicht so streikmächtigen Gruppen rauspressen zu können. Aber wenn das jeder so sehen würde, wäre bald Schluss mit der deutschen Solidargemeinschaft, die schon so vieles Schlimmes überstanden hat.

Bestes Beispiel sind die Krankenkassen. Wer nur aufs Geld guckt, geht in eine Krankenkasse, die nur wenige chronisch Kranke als Mitglieder hat. Ist dann billiger. Zumindest für mich. Aber vielleicht brauche ich selber mal über nen langen Zeitraum eine teure Behandlung. Was ist dann? Ja, wenn jeder so denken würde wie die Spartengewerkschaften GDL, Cockpit & Co., wären wir bald die BundesEGOISTENrepublik Deutschland. Unsere Berliner Angie geht mit ihrem Sparpaket ja schon in diese Richtung.

11 Freunde müsst ihr sein, heißt es beim Fußball. Unsere Jungs haben beim ersten Spiel in Durban gezeigt, dass man so viel schöner und erfolgreicher den Ball über das Spielfeld jagen kann. Hoffentlich bleibt es dabei für die nächsten Spiele. Das muss aber auch für uns als Gemeinschaft, ob nun auf Arbeit oder als ganzes Land gelten.

Und so stand´s jetzt auch auf den dbb-Seiten im GDBA magazin. Frank Stöhr von der dbb-Tarifunion hat mir aus der Seele gesprochen. Er wird mit dem Satz zitiert: „Im Kern darf aber der Solidaritätsgedanke nicht angegangen werden.“ Und weiter: „Ziel kann es nur sein, mit starker und geeinter Stimme gegenüber dem Arbeitgeber die berechtigten Interessen einzufordern und auch durchzusetzen.“

Ich stelle mir jetzt vor, GDBA, TRANSNET, GDL und ver.di würden mit starker und geeinter Stimme den Branchentarifvertrag fordern. Das Ding wäre in wenigen Tagen unter Dach und Fach. Und damit Dumping im Nahverkehr auf Kosten der Kolleginnen und Kollegen endlich Schnee von gestern.

Lieber Frank vom dbb, ich finde toll, was Du da forderst. Aber die GDL sitzt doch in Deinem Vorstand. Sprecht Ihr nicht miteinander? Mach deren Chef, dem Bundeslokführer Claus Weselsky, doch endlich mal klar, dass das richtiger Mist ist mit dem Sonderweg der Lokführer und anderer einzelner Berufsgruppen. Wir gehören zusammen und müssen gemeinsam kämpfen.

11 Freunde müsst ihr sein. Tja, Fußball ist wohl doch nur eine Nebensache, wenn auch die schönste!

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