Unnötiges Taktieren

Verfasst 30. Oktober 2010 von karwudtke
Kategorien: Branchentarifvertrag

Der Warnstreik, am Dienstag, den 26. Oktober,  war offensichtlich ein voller Erfolg. Gut 1700 Eisenbahnerinnen und Eisenbahner sollen  daran beteiligt gewesen sein und haben so  der Forderung nach einem einheitlichen Branchentarifvertrag in beeindruckender Weise Nachdruck verliehen. Erfreulich fand ich vor allem, dass sich viele Beschäftigte von privat geführten Bahnunternehmen an dem befristeten Ausstand beteiligt haben. Denn um die geht es in erster Linie.

Nach meiner Auffassung wäre es jetzt an den Privatbahnen gewesen, sich zu bewegen und zu erklären, dass das angeblich letzte Angebot, das man gemacht hatte, doch noch nicht das letzte war. Doch bis Freitag herrschte Schweigen im Wald.

Dafür gab es, wie ich hörte, eine Einladung ins Bundesverkehrsministerium. Die sechs großen Privatbahnen, die DB AG sowie die drei Gewerkschaften Transnet, GDBA und GDL wurden nach Berlin zum Staatssekretär „einbestellt“. Dort wurde allen Beteiligten wohl deutlich gemacht, dass der Bund kein Interesse an „Lohndumping“ im Nahverkehr habe. Wettbewerb solle sich nicht über Lohnkosten definieren, hieß es. Das sagt mir schon der gesunde Menschenverstand, aber vielleicht musste das Führungskräften der Unternehmen einfach noch mal erklärt werden.

Doch statt nun endlich entsprechend zu handeln, geht jetzt das große Taktieren los. Wirklich hilfreich ist das nicht!

Bislang hatten sich die sechs privaten Bahnunternehmen geweigert, mit Transnet und GDBA über einen Branchentarifvertrag zu verhandeln, wenn auch die DB AG an entsprechenden Gesprächen teilnehmen würde. Nach meiner Einschätzung ist das wenig zielführend, weil am Ende eine Vereinbarung getroffen werden soll, die inhaltsgleich für die gesamte Nahverkehrsbranche gelten soll.

Also haben GDBA und Transnet die sechs privaten Bahnunternehmen und die DB AG nun für Dienstag zu zeitgleichen aber in getrennten Räumen stattfindenden Verhandlungen eingeladen. Irgendwie erinnert das an Kindergarten, oder?

Was aber machen die Privaten? Torpedieren diesen Vorschlag und laden die DB AG sowie die drei Bahngewerkschaften am Freitag zu gemeinsamen Gesprächen ein, in denen ein mögliches Schlichtungsabkommen erörtert werden soll. Offensichtlich  haben Transnet und GDBA dagegen grundsätzlich nichts einzuwenden, denn die Vorbereitung eines solchen Abkommens bedeutet ja noch lange nicht, dass man die Schlichtung auch anrufen wird. Man weiß dann zumindest , wie man verfahren will, sollten die Verhandlungen irgendwann endgültig scheitern.

Alles könnte sich jetzt gut entwickeln …

Doch nun schießt die GDL wieder quer und erklärt, sie habe an einer solchen Vereinbarung keinerlei Interesse, ihre Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite liefen prächtig, man brauche so etwas nicht. Da scheinen mir persönlich die Lokführer die Backen reichlich voll zu nehmen, aber wenn sie nicht wollen …

Und was ist das Ergebnis dieses Theaters?

Bis heute ist nicht klar, ob und wie, wer mit wem, worüber in der nächsten Woche verhandelt – oder auch nicht. Die Frage des Lohndumpings und wie man diesem Einhalt gebietet, wird so nicht beantwortet. Und das ärgert mich maßlos!

Statt zu taktieren sollten alle Beteiligten endlich ernsthaft beginnen, gemeinsam die Probleme der Beschäftigten zu lösen. Denen helfen diese albernen Spielereien nämlich überhaupt nicht weiter.

Kindische Streitereien um Zuständigkeiten und Formalien nützen niemandem – letztlich auch nicht den derzeit noch handelnden Personen. Und das wissen die auch. Nur entsprechende handeln tun sie nicht. Schade eigentlich, denn die Leidtragenden sind die, für die sie sich eigentlich einsetzen sollten: die Beschäftigten im Nahverkehr.

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Nur gemeinsam sind wir stark

Verfasst 26. Oktober 2010 von karwudtke
Kategorien: Arbeitskampf

Na, das wurde ja auch Zeit. Endlich kommt Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen um einen einheitlichen Branchentarifvertrag für die Beschäftigten im Regionalverkehr. Seit gut zwei Jahren streiten sich GDBA und Transnet vor allem mit den Privatbahnen darum, welche Löhne hier zu zahlen sind und dass der Wettbewerb um Ausschreibungen und neue Strecken nicht auf den Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden darf.

So manches Privatunternehmen im Regionalverkehr interessiert das alles nicht. Frech wird öffentlich erklärt, dass man auch in Zukunft auf den vermeintlichen Vorteil von Lohndumping nicht verzichten will. Schließlich gewinnt meist der eine Ausschreibung, der am billigsten anbietet.

Ein einheitlicher Branchentarifvertrag soll dieses unwürdige Spiel beenden. Ziel von GDBA und Transnet ist es, zu vereinbaren, dass künftig für gleiche Arbeit der gleiche Lohn gezahlt wird.

Nach den Vorstellungen der Privatbahnen soll dieser jedoch gut 20 Prozent unter dem Niveau des Branchenführers liegen. Ein entsprechender Vorschlag wurde jüngst als „letztes Angebot“ unterbreitet.

GDBA und Transnet reagieren auf diese Frechheit nun mit Warnstreiks. Weil sich am Verhandlungstisch nichts mehr bewegt, sollen die Arbeitgeber jetzt gezwungen werden, ihr Angebot nachzubessern. Erstmals stehen dabei die Mitarbeiter der DB AG und die Mitarbeiter der Privatbahnen gemeinsam einen Arbeitskampf durch, weil sie beide für das gleiche Ziel streiten. Das hat es bisher noch nie gegeben!

Und die GDL? Die streitet für einen „Bundes-Rahmen-Lokführertarifvertrag“, der ebenfalls für ein einheitliches Lohnniveau sorgen soll.

Da frage ich mich doch, warum die drei Gewerkschaften nicht gemeinsam für eine gerechte Bezahlung eintreten? Würden alle drei den Arbeitgebern geschlossen gegenübertreten, wäre ein entsprechender Tarifvertrag schon längst unterschrieben, da bin ich mir ziemlich sicher.

Leider ist genau das Gegenteil der Fall. Und der Irrglauben, sich in dieser Frage von der gewerkschaftlichen Konkurrenz mit eigenen Forderungen abheben zu müssen, treibt derzeit seltsame Blüten.

Da rufen GDBA und Transnet für Dienstag zu bundesweiten Warnstreiks auf. Die intensive Berichterstattung in den Medien setzt die GDL offensichtlich erheblich unter Zugzwang. Und so organisiert auch sie schnell noch einen Arbeitskampf. In München und Augsburg, wo GDBA und Transnet besonders aktiv sind, wollen die Lokführer am Dienstag nun plötzlich den Kommunalen Nahverkehr bestreiken.

Von großer Souveränität zeugt ein solches Verhalten nicht. Deutlich wir nur, dass keiner dem Anderen einen Erfolg gönnt – und sei es auch nur ein medialer. Ich finde das ist albern und macht im Umkehrschluss deutlich, dass es sinnvoller und effektiver wäre, wenn alle drei Bahngewerkschaften endlich zusammenarbeiten müssen, um das bestmögliche für die Mitglieder herauszuholen. Ob wir das noch erleben werden?

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Ob Bahnchef Grube da klug beraten war?

Verfasst 25. August 2010 von karwudtke
Kategorien: DB AG

Na, ob Rüdiger Grube sich da einen Gefallen getan hat? Natürlich mag es dem Bahn-Chef geschmeichelt haben, einmal in einem Atemzug mit den ganz großen der Wirtschaft – etwa dem Boss der Deutschen Bank, Josef Ackermann – genannt zu werden. Aber ob es vernünftig war, deren „Energiepolitischen Appell“ zu unterzeichnen; ich wage das zu bezweifeln.

Die Bahn gibt doch vor, ein „grünes Image“ zu haben. Kann man da für Kernenergie und Kohle sein? Ich will hier gar keine Debatte pro oder contra führen, aber allein vom Ansatz passt das doch nicht.

Wieso lässt sich Bahnchef Grube vor den Karren der vier großen Energiekonzerne RWE, E.On, EnBW und Vattenfall spannen und fordert unisono mit diesen den Wegfall der Brennelementesteuer?

Mit dieser Steuer sollen die Gewinne abgeschöpft werden, die die Energiekonzerne erwirtschaften, weil deren bereits abgeschriebenen Kernkraftwerke länger laufen dürfen, als eigentlich vereinbart. Was hat die DB AG davon, wenn die Konzerne Milliarden einsacken, die in die Erforschung erneuerbarer Energien (oder einfach nur in den Bundeshaushalt) fließen könnten?

Die Deutsche Bahn gehört (noch) dem Bund. Klar braucht auch ein Rüdiger Grube deshalb nicht alles gut zu finden, was die Regierung so vor hat. Aber musste er sich gleich in den Kreis jener einreihen, die massiv und in bislang unbekannt deutlicher, ja fast erpresserischer Form ihrer ganz persönlichen Interessen durchsetzen wollen? Sympathien hat  der Bahnchef  damit nicht errungen.

Für die Interessen der Bahn mag er streiten; für die egoistischen Ziele der Stromlobby jedoch nicht. Auch wenn der DB-Konzern Strom für seine Züge braucht. Das ist doch eine ganz andere Baustelle – und bringt, wie wir gesehen haben, auch keine positiven Schlagzeilen für das Unternehmen. Die aber wären endlich mal nötig. Doch dafür muss die Bahn-Führung mehr tun, als einen fragwürdigen Appell zu unterschreiben …

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Jeder für sich statt gemeinsam für alle

Verfasst 5. August 2010 von karwudtke
Kategorien: dbb

Ob das Bundesarbeitsgericht klug beraten war, die seit Jahrzehnten in den Betrieben bewährte Tarifeinheit auszuhebeln, mag dahingestellt sein. Künftig soll nicht mehr der von der „Mehrheitsgewerkschaft“ ausgehandelte Tarifvertrag auf alle Mitarbeiter angewendet werden können – nein, Spartengewerkschaften dürfen nun ausschließlich für ihre Mitglieder eigene und ganz spezielle Tarifverträge aushandeln.

Der dbb findet das toll und hat dazu gleich ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das kommt zu dem Ergebnis, dass die Bestrebungen, die alte Tarifeinheit per Gesetz wieder herzustellen, verfassungswidrig seien. Vor diesem Hintergrund erstaunlich: Der DGB und die Arbeitgeberverbände gehören in seltener Eintracht zu den Befürwortern einer solchen Gesetzes-Initiative.

In diese Front mag sich der Deutsche Beamtenbund nicht einreihen. Stattdessen wird dem Pluralismus das Wort geredet und der bedeutungsschwere Satz gesprochen, dass der demokratischen Willensbildung endlich Rechnung getragen werden müsse.

Stimmt, irgendwie ist es nicht einzusehen, dass kleine Grüppchen ihren Willen nicht durchsetzen können, nur weil die Mehrheitsmeinung gilt – wenngleich das die Urform der demokratischen Willensbildung ist.

Abenteuerlich aber ist die Begründung des dbb, warum sich auch nach dem Wegfall der Tarifeinheit nichts ändern: „Deutschland ist traditionell kein Streikland“, lässt sich der erste Vorsitzende der dbb-tarifunion, Frank Stöhr, zitieren. Was soll das denn heißen? Treten die Arbeitnehmer hier nicht für ihre Rechte ein? Oder greift da wieder die Denke des Beamten-Apparats, dem Streiken ja verboten ist.

Natürlich werden nun einzelne Berufsgruppen lautstark und mit Macht versuchen, deutlich mehr für ihre Klientel rauszuholen. Notfalls auch durch Streiks. Und zu Lasten der übrigen Kolleginnen und Kollegen. Denn im jedem Betrieb kann der Kuchen nur einmal verteilt werden. Kriegen einige Wenige viel mehr, bleibt für viele Andere entsprechend weniger übrig. Das lernt man schon in der Grundschule.

Das Bundesarbeitsgericht macht Klientelpolitik möglich. Die Gründe dafür mögen juristisch nachvollziehbar sein. Ob sie auch politisch gewollt sind, ist eine andere Frage. Blauäugig jedenfalls ist zu glauben, dass alles weitergeht wie bisher.

Für den dbb ist das so, wie folgendes Zitat aus der jüngsten Pressemeldung zeigt: „Die Deutsche Bahn hat ihren Frieden mit den Lokführern gemacht, in den Krankenhäusern folgen die Ärzte dem Marburger Bund, die Krankenpfleger uns und ver.di, der Betrieb läuft auch in streikbewegten Zeiten nicht anders als früher“. Na, dann ist die Welt ja in Ordnung. Ich fürchte nur, dass der dbb auch hier die Zeichen der Zeit wieder einmal nicht erkennt.

Deutlich wird dies beispielsweise bei den augenblicklichen Verhandlungen im Bahnbereich. GDBA und Transnet wollen einen Branchentarifvertrag für alle im Schienenpersonennahverkehr Beschäftigten, die GDL einen Rahmentarifvertrag nur für Lokführer.

Gemeinsam wäre ein Tarifvertrag, der die Löhne und Besitzstände aller Beschäftigten im SPNV absichert, schon längst durchgesetzt. So aber versuchen die Lokführer für eine kleine Gruppe mehr rauszuholen, statt zusammen mit Transnet und GDBA solidarisch für alle Mitarbeiter einzutreten. Ob der dbb das auch toll findet?

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Zugbegleiter sind nicht die Sündenböcke

Verfasst 12. Juli 2010 von karwudtke
Kategorien: DB AG

Also, da könnte mir doch glatt der Kragen platzen! In den hochmodernen ICEs fallen die Klimaanlagen aus und was passiert? Gegen die Mitarbeiter wird wegen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung ermittelt. Geht´s noch? Damit wir uns richtig verstehen: Nicht gegen Mitarbeiter des Zugherstellers. Nein, gegen Mitarbeiter der DB AG! Das kann doch wohl nicht wahr sein, oder?

Schon im Winter waren die Zugbegleiter diejenigen, die den Ärger der Fahrgäste ausbaden mussten, ohne für die Pannen Verantwortung zu tragen. Da ließen sich Türen wegen Eisbildung nicht schließen, Heizungen fielen aus und aufgrund der längeren Standzeiten in den Wartungshallen gerieten die Fahrpläne durcheinander.

Die Mitarbeiter griffen zu unkonventionellen Mitteln, um der Lage Herr zu werden. Teilweise wurde versucht, mit Schuhabsätzen das Eis im Türbereich zu entfernen, Kolleginnen und Kollegen in der Auskunft und dem Fahrkartenverkauf waren – trotz aufgebrachter Kunden – bemüht, jede nur mögliche Auskunft zu geben. In den Werkstätten wurde geklotzt, wo es nur ging, um die Züge wieder ins Netz zu bringen.

Und nun schafft die Gluthitze Probleme. Dramatische Bilder flimmern über die Fernsehschirme. Ich stelle mal die Frage, wie es wohl den Zugbegleiterinnen und Zugbegleitern in den betroffenen Zügen ergangen ist? 50 Grad Hitze, in jedem Wagen Reisende, die sich lautstark beschweren, keine Möglichkeit Abhilfe zu schaffen, dehydrierte Jugendliche, die zusammenbrechen, eine Schwangere, die in Panik eine Scheibe einschlagen will, um Luft zu kriegen – unglaubliche Szenen müssen sich da abgespielt haben.

Aber an die Mitarbeiter denkt keiner. Die haben getan, was sie konnten, davon bin ich überzeugt – und müssen jetzt in der Zeitung lesen, dass nun wegen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung ermittelt.

Nur GDBA und TRANSNET haben sich vor die Kolleginnen und Kollegen gestellt und fordern von der Bahnführung und der Bahnindustrie, für Fahrzeuge und Betriebsmittel zu sorgen, die den Anforderungen sowohl in heißen Sommern wie auch in kühlen Wintern gerecht werden. Ansonsten werden die Mitarbeiter der Bahnen auch weiterhin zu Sündenböcken der Nation abgestempelt. Und das kann und darf nicht sein.

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11 Freunde müsst ihr sein!

Verfasst 15. Juni 2010 von karwudtke
Kategorien: GDL, Tarifeinheit

Also, ich gebe ja gerne zu, dass ich unsere GDBA-Zeitung meistens nicht von A bis Z lese. Man sucht sich halt so raus, was einen interessiert und selbst betrifft. Und nachdem uns der Beamtenbund seine Liebe entzogen hat, bin ich außerdem nicht mehr ganz so begeistert von der Berichterstattung des dbb im hinteren Teil des GDBA-Magazins.

Allerdings hat mir die Juni-Ausgabe fast die Schlappen von den Füßen gerissen. Mehr zufällig schlage ich daheim die Seite 44 auf und finde einen Artikel über mögliche, aber wichtige Änderungen des deutschen Tarifrechts. Nämlich das Ende der Tarifeinheit, das vom Bundesarbeitsgericht eingeläutet wurde.

Echt, man lernt nie aus. Ich bin ja nicht so sehr der Tariffutzi. Aber eins weiß ich: Wenn das kommt, haben wir bald in den Betrieben und Unternehmen das Tarifchaos. Jede Gewerkschaft kann dann eigene Tarifverträge für ihre jeweiligen Mitglieder durchboxen. Gleichen Lohn für gleiche Arbeit? Das kann dann der Vergangenheit angehören.

Natürlich würde jeder bei einer Gewerkschaft, die weniger rausholt, sofort austreten. Logisch. Aber weiß man das immer, was im Einzelnen vereinbart wurde? Und welcher Tarifvertrag auf Dauer wirklich der bessere ist?

Wirklich – ich glaube, wenn das kommt, ist es mit der Solidarität in unserem Lande endgültig aus. Ich war ja schon mächtig enttäuscht von den GDL-Kollegen, als die sich aus der Eisenbahnerfamilie zurückgezogen haben.

Klaro haben die eine Streikmächtigkeit, die sich sehen lassen kann. Das bringt die Tätigkeit so mit sich. Und die Jungs und Mädels glauben, auch den einen oder anderen Taler mehr als bei den nicht so streikmächtigen Gruppen rauspressen zu können. Aber wenn das jeder so sehen würde, wäre bald Schluss mit der deutschen Solidargemeinschaft, die schon so vieles Schlimmes überstanden hat.

Bestes Beispiel sind die Krankenkassen. Wer nur aufs Geld guckt, geht in eine Krankenkasse, die nur wenige chronisch Kranke als Mitglieder hat. Ist dann billiger. Zumindest für mich. Aber vielleicht brauche ich selber mal über nen langen Zeitraum eine teure Behandlung. Was ist dann? Ja, wenn jeder so denken würde wie die Spartengewerkschaften GDL, Cockpit & Co., wären wir bald die BundesEGOISTENrepublik Deutschland. Unsere Berliner Angie geht mit ihrem Sparpaket ja schon in diese Richtung.

11 Freunde müsst ihr sein, heißt es beim Fußball. Unsere Jungs haben beim ersten Spiel in Durban gezeigt, dass man so viel schöner und erfolgreicher den Ball über das Spielfeld jagen kann. Hoffentlich bleibt es dabei für die nächsten Spiele. Das muss aber auch für uns als Gemeinschaft, ob nun auf Arbeit oder als ganzes Land gelten.

Und so stand´s jetzt auch auf den dbb-Seiten im GDBA magazin. Frank Stöhr von der dbb-Tarifunion hat mir aus der Seele gesprochen. Er wird mit dem Satz zitiert: „Im Kern darf aber der Solidaritätsgedanke nicht angegangen werden.“ Und weiter: „Ziel kann es nur sein, mit starker und geeinter Stimme gegenüber dem Arbeitgeber die berechtigten Interessen einzufordern und auch durchzusetzen.“

Ich stelle mir jetzt vor, GDBA, TRANSNET, GDL und ver.di würden mit starker und geeinter Stimme den Branchentarifvertrag fordern. Das Ding wäre in wenigen Tagen unter Dach und Fach. Und damit Dumping im Nahverkehr auf Kosten der Kolleginnen und Kollegen endlich Schnee von gestern.

Lieber Frank vom dbb, ich finde toll, was Du da forderst. Aber die GDL sitzt doch in Deinem Vorstand. Sprecht Ihr nicht miteinander? Mach deren Chef, dem Bundeslokführer Claus Weselsky, doch endlich mal klar, dass das richtiger Mist ist mit dem Sonderweg der Lokführer und anderer einzelner Berufsgruppen. Wir gehören zusammen und müssen gemeinsam kämpfen.

11 Freunde müsst ihr sein. Tja, Fußball ist wohl doch nur eine Nebensache, wenn auch die schönste!

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„Schlimmer als die Wahl in der früheren DDR“

Verfasst 30. Mai 2010 von karwudtke
Kategorien: Betriebsratswahlen 2010, Verkehrsgewerkschaft

Dass es nicht einfach sein wird, aus zwei Gewerkschaften eine zu machen, ist klar. Während die oberste Führungsspitze immer wieder betont, gleichberechtigt und auf Augenhöhe handeln zu wollen, sieht die Basis das manchmal ganz anders. Da wollen persönliche Eitelkeiten befriedigt werden; manchmal geht es wohl auch nur darum, die noch vorhandene Macht demonstrieren zu wollen.

Wo ginge das besser als bei den Betriebsratswahlen? Einige Kollegen scheinen noch nicht ganz verstanden zu haben, dass die viel beschworene Zusammenarbeit nicht mit der Einreichung einer gemeinsamen Liste endet. Auch im Ergebnis wollen sich alle Beteiligten wiederfinden. In Köln ist das jetzt gründlich in die Hose gegangen, wie die nachfolgende Mail zeigt, die an Karwudtke geschrieben wurde – und die selbstverständlich veröffentlicht wird:

„Die Betriebsratswahl bei DB Netz in Köln ist doch schlimmer als die Wahl in der früheren DDR. Nicht die Mitglieder einer Gewerkschaft (hier GDBA)sondern ein einzelner Kollege des bisherigen Betriebsrates bestimmt ohne Rücksprache mit den Ortsvorsitzenden einen Kandidaten seines Wohles.

Leute die sonst das ganze Jahr die Arbeit leisten in den Ortsgruppen werden gar nicht berücksichtigt, sie könnten ja eine eigene Meinung haben. Nach fast 34-jähriger Zugehörigkeit bei der GDBA und dadurch vielen dienstliche Nachteile durch die Funktionäre der Transnet, habe ich mit schweren Herzen meine Mitgliedschaft in der GDBA gekündigt.

Vielen Dank dem Totengräber der GDBA Herrn Hommel.“

Ich hoffe, dass das ein Einzelfall ist, der sich noch geraderücken lässt.

Nachtrag: Scheinbar doch kein Einzelfall, wie eine weitere Zuschrift zeigt, die unter „Leserkommentare: Reaktionen auf Karwudtke“ veröffentlich ist (rechte Spalte, ganz unten). Stichwort: „Nur Sieger bei den Betriebsratswahlen“. Oder diesem Link folgen.

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