Angst vor der neuen Verkehrsgewerkschaft?
Na, da scheint aber einer fürchterlich Angst vor wegweisenden Entwicklungen innerhalb der Gewerkschaftsbewegung zu haben: „Bitte meldet jegliches Auftreten von Funktionären von TRANSNET und/oder GDBA in unserem Organisationsbereich mit den dazugehörigen Unterlagen an unseren Kollegen Stefan Heimlich“, schreibt der Bundesfachbereichsleiter Erhart Ott an die lieben Kolleginnen und Kollegen der ver.di.
Dass der unmittelbar betroffene Fachbereich der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft die Gründung einer neuen Verkehrsgewerkschaft innerhalb des DGB nicht ohne Störfeuer hinnehmen würde, war – entgegen aller Absprachen und Zusagen – ja zu erwarten. Trotzdem kann ich darüber nur den Kopf schütteln. Denn der Anspruch, den der Bundesfachbereichsleiter von ver.di da formuliert, ist schon reichlich weltfremd.
Dass GDBA und TRANSNET im DGB eine neue Gewerkschaft gründen wollen, wird von ver.di begrüßt. Ist ja logisch. Schließlich gibt es so einen Konkurrenten, nämlich die GDBA, weniger. Damit aber nicht genug. Der zuständige Fachbereichsleiter meint, auch die Aufgabenbereiche festlegen zu können, für die die neue Verkehrsgewerkschaft künftig zuständig sein darf. Und das ist nach Vorstellung von Erhard Ott allein der klassische Eisenbahnbereich – mehr nicht.
Nun gut, träumen darf man ja mal. Aber realistisch ist das nicht. Der ver.di-Kollege scheint noch nicht verstanden zu haben, dass zum Jahresende eine neue „Verkehrsgewerkschaft“ entstehen soll, keine neue „Eisenbahngewerkschaft“. Und diese „neue Verkehrsgewerkschaft“ wird natürlich mehr als nur Eisenbahner organisieren. Schließlich tun GDBA und TRANSNET das heute auch schon erfolgreich.
Und künftig wollen und werden sie dies gemeinsam noch viel erfolgreicher tun – ohne damit unmittelbar in Konkurrenz zu anderen Gewerkschaften zu treten. Das ist der Ansatz.
Im Verkehrsbereich sind derzeit lediglich 20 Prozent aller Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert. Das heißt im Umkehrschluss: Gut 1,3 Millionen Kolleginnen und Kollegen sind derzeit ohne gewerkschaftliche Vertretung.
Die neue Verkehrsgewerkschaft sollte – und muss – gemeinsam mit ver.di Strategien entwickeln, wie möglichst viele jener Arbeitnehmer künftig überhaupt Mitglied einer Gewerkschaft werden könnten. Da liegen noch soviel Potentiale brach, dass man sich nun wirklich nicht darüber streiten muss, wer für bereits gewerkschaftlich organisierte Kolleginnen und Kollegen zuständig sein darf.
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